Befüllte Strände in Miami Beach trotz über 20.000 Corona-Fällen: Steigen die Infektionsraten, muss die Fed erneut unkonventionelle Maßnahmen ergreifen | © imago images / Agencia EFE Foto: imago images / Agencia EFE

Bluebay-Investmentchef über Geldpolitik

Fed-Ankündigung zum Kauf von Unternehmensanleihen hebt die Stimmung

In der vergangenen Woche bewegten sich die Aktienmärkte und die wichtigsten Staatsanleihen im Allgemeinen seitwärts. Die Anleger verarbeiteten durchwachsene Nachrichten in Bezug auf Wirtschaftsdaten, das Corona-Virus, die Geopolitik und politische Entwicklungen. Die US-Einzelhandelsumsätze stiegen im Mai stärker als erwartet und machten einen wesentlichen Teil der Verluste des Vormonats wieder wett. Nichtsdestotrotz signalisieren die BIP-Schätzungen für das zweite Quartal ein Minus von rund 30 Prozent. Andere Wirtschaftsdaten, wie die wöchentlichen Arbeitslosenanträge, unterstreichen weiterhin die enormen Belastungen, unter denen die Wirtschaftstätigkeit leidet, auch wenn die Lockdowns zurückgenommen werden.

Derweil offenbaren die sich beschleunigenden Infektionsraten in Kalifornien, Texas, Florida und Arizona die Risiken, die entstehen, wenn die Lockdowns aufgehoben werden, ohne die Kontrolle über die Ausbreitung des Virus erlangt zu haben. Ermutigende Nachrichten in Bezug auf therapeutische Behandlungen und die Hoffnung auf einen Impfstoff im vierten Quartal könnten jedoch dazu beitragen, die Befürchtungen zu zerstreuen, dass es bei einer zweiten Covid-19-Welle zu einer Rückkehr zu den massiven Restriktionen des Frühjahrs kommt.

Die Stimmung an den Anleihemärkten wurde jüngst durch die Ankündigung der Federal Reserve (Fed) unterstützt, dass sie – ähnlich wie die Europäische Zentralbank – mit dem direkten Ankauf von Unternehmensanleihen auf breiter Marktbasis beginnen werde. Bis zu diesem Zeitpunkt waren die Käufe auf ETFs sowie einzelne Unternehmensanleihen von denjenigen Emittenten beschränkt, die einen Antrag auf Unterstützung gestellt hatten.

Die damit verbundene Stigmatisierung führte jedoch dazu, dass viele Emittenten vor diesem Schritt zurückschreckten. Weil die Fed ihre neue geldpolitische Lockerung an einem Tag ankündigte, an dem der S&P unter die Marke von 3.000 Punkten gefallen war, sollten Anleger Fehlinterpretationen vermeiden: Wir möchten nachdrücklich davor warnen, dass die Fed-Entscheidung bedeutet, dass weitere politische Unterstützung zu erwarten ist, falls die Aktien wieder unter dieser Marke gehandelt werden.

Mit Blick auf die Fiskalpolitik gehen wir von weiteren Fortschritten aus. Die politischen Diskussionen über ein (längst überfälliges) Paket zu Infrastrukturausgaben in den USA, das sich auf rund eine Billion US-Dollar belaufen soll, verstetigen sich. Es ist jedoch unwahrscheinlich, dass die entsprechenden Finanzmittel schon in einigen Monaten fließen werden.

Es ist hingegen zu erwarten, dass die konjunkturelle Entwicklung im Jahr 2021 von den Infrastruktur-Ausgaben angeschoben werden dürfte. In diesem Zusammenhang darf nicht unerwähnt bleiben, dass die Präsidentschaftswahlen in wenigen Monaten anstehen: Die Politik wird in den kommenden Wochen und Monaten noch stärker in den Vordergrund rücken.

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