Thomas Richter vom BVI: „Wir erwarten, dass viele Vermittler sich auf Versicherungsprodukte beschränken werden.“ | © BVI Foto: BVI

BVI-Hauptgeschäftsführer Thomas Richter

„Bafin-Aufsicht über 34f-Vermittler wird ihr Ziel verfehlen“

Die Übertragung der Aufsicht über die 34f-Vermittler auf die Bafin wird ihr Ziel nicht erreichen, die Aufsicht zu vereinheitlichen und die Beratung zu verbessern. Vielmehr wird eine Zweiteilung durch eine andere ersetzt.

Bislang überwacht die Bafin die Anlageberater in Kreditinstituten, während die Industrie- und Handelskammern (IHKs) beziehungsweise Gewerbeämter die freien Vermittler überwachen. Künftig sollen letztere durch die Bafin beaufsichtigt werden, allerdings verbleiben die Versicherungsvermittler unter der Aufsicht der IHKs bzw. Gewerbeämter. Da viele 34f-Vermittler auch als Versicherungsvermittler tätig sind, hätte dies außerdem zur Folge, dass sie künftig von der Bafin und weiter von den IHKs bzw. Gewerbeämtern beaufsichtigt werden.

Wir erwarten, dass viele 34f-Vermittler, für die Anlagevermittlung nur ein Baustein ihres Angebots darstellt, sich auf Versicherungsprodukte beschränken werden, um eine kostspielige Doppelaufsicht zu vermeiden. Am Ende leiden Produktvielfalt und Qualität der Beratung. Den Schaden hat der Anleger.

Dennoch hat es der Vorschlag in den Koalitionsvertrag geschafft. Man meint, damit die Verbraucher zu schützen. Die Verbraucherschützer erkennen offensichtlich nicht, dass sie eine Lenkungswirkung hin zu Versicherungsprodukten und damit eine Reduzierung des Produktangebots unterstützen.

Obwohl auch die Bundesländer, der Normenkontrollrat, Wissenschaftler und Politiker die Defizite der Vermittlernovelle bemängeln, hält die Bundesregierung an ihrem Vorhaben fest. Die Kritik der eigens zur Unterstützung des Vorhabens aufgebotenen Sachverständigen bei der Anhörung des Deutschen Bundestages sollte ihr zu denken geben. Dass das Vorhaben teilweise wider besseres Wissen durchgezogen wird, gibt zu denken. Politische Ansagen über Bürokratieabbau und Stärkung der Wertpapierkultur erscheinen vor diesem Hintergrund wie Lippenbekenntnisse.

Zum Kommentar auf der Internetseite des BVI >>


Über den Autor:
Thomas Richter ist seit 2011 Hauptgeschäftsführer des deutschen Fondsverbands BVI Bundes­ver­band Invest­ment und Asset Mana­ge­ment. Zuvor war er unter anderem Mitglied der Geschäfts­füh­rung bei der Deutsche-Bank-Tochter DWS.

Mehr zum Thema
Bafin-Aufsicht für 34f- und 34h-Berater
Regierung will Kosten noch einmal prüfen
Bafin-Aufsicht für 34f-Vermittler
So verlief die Anhörung im Bundestag
Bafin-Aufsicht für 34f-Vermittler
Wo man bei CDU/CSU noch Klärungsbedarf sieht
nach oben