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Globale Investmentthemen und Emerging Markets

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Der US-Präsident Donald Trump mit dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping: Das Handelsabkommen zwischen den USA und China sorgte noch zu Jahresbeginn für Hoffnung – mittlerweile ist das Verhältnis denkbar schlecht. | © imago images / VCG Foto: imago images / VCG

Geostrategische Konflikte

Sorge vor erneuter Eskalation

Vor zwei Jahren erschütterte der Handelskonflikt zwischen China und den USA die Weltwirtschaft. Derzeit befinden sich die beiden größten Volkswirtschaften erneut auf Konfrontationskurs.

Startschuss für die De-Globalisierung?

Nach Strafzöllen über Waren im Wert von Hunderten Milliarden US-Dollar, unzähligen Drohungen und außerordentlich zähen Verhandlungen einigten sich beide Staaten im Januar auf einen Waffenstillstand, den sogenannten „Phase-One-Deal“. Doch die Euphorie erwies sich als sehr kurzlebig, weil der Virusausbruch die mühsam errungenen Erfolge überlagerte.

Die langsame Rückkehr zur Normalität lenkt den Fokus wieder auf die angespannte Lage zwischen den USA und China. Zwar gehen viele Marktbeobachter davon aus, dass das Abkommen nicht rückgängig gemacht wird – dennoch bleibt eine gewisse Unsicherheit bestehen.

Sowohl der Ausbruch des Virus als auch der teilweise „Shutdown“ der chinesischen Wirtschaft haben die zu große Abhängigkeit von China verdeutlicht. Die Regierungen der USA, Japans und der Europäischen Union wollen die Produktionsstätten von Unternehmen aus China in ihre Heimatländer zurückverlagern.

Wettbewerbsvorteil Chinas

Viele Unternehmen, die den US-Markt bedienen, zogen sich angesichts der verhängten hohen Zölle aus China zurück. Doch eine breite Verlagerung aus dem Land ist aufgrund der hohen Arbeitsproduktivität, der Infrastruktur und der hoch entwickelten Lieferketten eher unwahrscheinlich. Vor allem die Technologie-Branche profitiert immens von Chinas Marktgröße, den Entwicklungsmöglichkeiten, dem technologischen Fortschritt und der Innovationskraft.

Auch die Lieferketten im verarbeitenden Gewerbe haben sich als äußerst widerstandsfähig erwiesen. Nach der Aufhebung der Ausgangsbeschränkungen erreichte der Sektor binnen weniger Wochen eine nahezu vollständige Kapazitätsauslastung.

Neues Gesetz sorgt für Aufsehen

Der US-Senat hat ein Gesetz verabschiedet, das chinesischen Unternehmen bei mangelnder Transparenz den Weg an die US-Börsen versperrt. Das Gesetz „Holding Foreign Companies Accountable Act“ betrifft zwar alle ausländischen Unternehmen, allerdings werden hauptsächlich chinesische Unternehmen genauer in den Blick genommen. Unternehmen können von der Liste gestrichen werden, wenn sie die Prüfungen des „Public Company Accounting Oversight Board“ (PCAOB) in drei aufeinander folgenden Jahren nicht bestehen.

Die strengere regulatorische Prüfung der chinesischen Firmen dürfte den Trend zur Zweitnotierung auf dem Hongkonger Markt beschleunigen. Bereits Ende 2019 wurde der E-Commerce-Riese Alibaba in Hongkong notiert – auch JD.com und Netease haben für Juni 2020 eine Doppelnotierung an der Hongkonger Börse geplant.

Anfang Mai verkündet die Börse in Hongkong, dass sich sekundär gelistete Unternehmen für die Aufnahme in den Hang Seng Index (HSI) und den Hang Seng China Enterprises Index (HSCEI) eignen. Auch das Stock-Connect-Programm (HKEX) hat Unternehmen mit einer Zweitnotierung aufgenommen – was eine alternative Liquiditätsquelle für Unternehmen darstellen dürfte, da China die Entwicklung der Kapitalmärkte weiter fördern will.

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