Themen-Experte
Märkte verstehen, Chancen nutzen

Themen-Experte
Märkte verstehen, Chancen nutzen

Kreuzfahrtschiffe in der Karibik: Sobald Impfstoffe zur Verfügung stehen, ist ein kräftiger Aufschwung im Tourismussektor zu erwarten.  | © imago images / ZUMA Wire Foto: imago images / ZUMA Wire

Nach Corona

5 Bereiche, auf die Anleger jetzt achten sollten

Tony DeSpirito, Chief Investment Officer für U.S. Fundamental Active Equity

Langfristig orientierte Aktienanleger investieren ganz bewusst in den Wert, den ein Unternehmen voraussichtlich in Zukunft einmal erreichen wird. Deshalb ist es für sie wichtig, nicht nur auf die nächsten Wochen, sondern darüber hinaus auf die kommenden Monate und Jahre zu blicken. Die Chancen stehen gut, dass die Welt ganz anders aussehen wird als derzeit.

Im Folgenden geht es um fünf Bereiche, die nach der Überwindung der globalen Gesundheitskrise höchstwahrscheinlich anders aussehen werden – und damit für Anleger Chancen bieten.

1. Technologie für Social Distancing

Die Krise hat dynamische Trends in Gang gesetzt: Telearbeit, Online-Bildung, Online-Gaming und Streaming. Wir gehen davon aus, dass diese und viele weitere virtuelle Lösungen noch schneller noch breitere Akzeptanz finden. Entsprechend wird auch die Nachfrage nach Software und Infrastruktur, auf denen diese Trends aufbauen, steigen.

Darüber hinaus könnten weitere technologische Lösungen profitieren, die ebenfalls Aktivitäten ohne menschlichen Kontakt erlauben. Zu denken wäre an Zustellungswege ohne Postboten, Telemedizin und E-Sport. Zudem dürfte 5G einen Aufschwung erleben, da die Geschwindigkeit der Datenübertragung immer wichtiger wird, wenn immer mehr Mitarbeiter immer häufiger außerhalb des Unternehmens tätig sind.

2. Global versus lokal

Da sich Länder immer stärker auf sich selbst konzentrieren und sich um ihre Bevölkerung und Wirtschaft kümmern, könnte der seit Jahrzehnten herrschende Trend zur Globalisierung von einem Trend zur Regionalisierung abgelöst werden. Lieferketten müssen krisenfester werden. Doch der Wechsel von konzentrierten zu stärker diversifizierten Lieferketten wird mit Kosten verbunden sein. Die Unternehmen können diese Kosten entweder selbst tragen (was der Rentabilität schadet) oder sie an die Verbraucher weitergeben, indem sie höhere Preise für die Endprodukte verlangen (was die Inflation begünstigt).

Außer um global versus lokal geht es auch um den Gegensatz zwischen Stadt und Land. Ländlichere Regionen könnten profitieren. Wenn Produktion nach Hause zurückgeholt wird, so wahrscheinlich in bislang strukturschwächere Gebiete. Wenn die Arbeit im „Homeoffice“ zur Normalität wird, könnten zudem immer mehr Menschen aus den Ballungszentren wegzuziehen.

3. Bilanzen überdenken

Mangels liquider Mittel könnte ein Rückgang der Fusionen und Übernahmen (M & A) erfolgen, die in den vergangenen Jahren stark angestiegen sind. Andererseits könnten die Überprüfung der Bilanzen sowie jüngste Forderungen nach einer Beschränkung von Aktienrückkäufen auch dazu führen, dass die überschüssigen Barmittel auf Unternehmensebene in Fusionen und Übernahmen fließen. Wir behalten diese beiden gegenläufigen Trends im Blick. Wir gehen jedoch grundsätzlich davon aus, dass Unternehmen, die über ausreichend Liquidität verfügen, sich für Unternehmen interessieren, die im Zuge der Krise Liquidität benötigen.

4. Trend zu Nachhaltigkeit

Unserer Ansicht nach ist die Corona-Krise ein entscheidender Moment für Anlagen mit Fokus auf Umwelt Soziales und Governance (ESG). Ob sich einzelne Unternehmen in der Krise sozial verhalten haben, wird in Erinnerung bleiben und diejenigen geschäftlich besserstellen, von denen Mitarbeiter, Kunden und andere Stakeholder glauben, dass sie sich in dieser schwierigen Zeit richtig verhalten haben. Außerdem mahnt die Pandemie, dass man der Natur einen gesunden Respekt entgegenbringen sollte; dies könnte einen Wendepunkt bei Umweltfragen wie dem Klimawandel bedeuten.

Wir sehen ESG als Thema, das sich dauerhaft am Markt etablieren wird. Dabei wird es nicht mehr nur um Kontroversen und Abwärtsrisiken gehen, sondern zunehmend auch um die Auswirkungen ESG-bezogener Themen auf Fundamentaldaten und Bewertungskennzahlen von Unternehmen. Anleger sind sich dessen bereits bewusst: Nachhaltige Strategien haben im jüngsten Abschwung eine Outperformance erzielt und ziehen weiterhin Kapital an.

5. Freizeit zurückerobern

Sobald Impfstoffe zur Verfügung stehen, erwarten wir einen kräftigen Aufschwung im Tourismussektor. Im Bereich beruflich bedingter Reisen könnte es hingegen anders aussehen. Die Unternehmensleitungen haben jetzt den Beweis, dass Videokonferenzen sowohl eine effektive als auch wirtschaftlich effiziente Alternative zu persönlichen Treffen und Veranstaltungen sind. Wahrscheinlich wird die Anzahl an Geschäftsreisen zurückgehen.

Fazit

Die Zeit wird kommen, in der die Corona-Pandemie der Vergangenheit angehört. Mit hoher Wahrscheinlichkeit werden Anleger dann an die Kaufgelegenheiten für Aktien zurückdenken, die sich durch die Krise ergeben haben. Diese Chancen zu erkennen ist die eigentliche Aufgabe aktiven Managements – denn es geht darum, über den Moment hinauszublicken, kritisch über die Welt nachzudenken und in ihr künftiges Potenzial zu investieren.

nach oben