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Yoga-Übungen auf einer Dachterrasse in Jakarta: Indonesien eröffnet Anleiheinvestoren aufgrund disziplinierterer Fiskalpolitik und einer stärkeren wirtschaftlichen Position derzeit bessere Chancen als Indien. | © imago images / Xinhua Foto: imago images / Xinhua

Schwellenländer-Anleihen

Auch in Asien leisten Notenbanken Schützenhilfe

Eric Wong, Portfoliomanager bei Fidelity

Anfang Juni legte die Europäische Zentralbank noch einmal nach und stockte ihr Pandemie-Notfall-Kaufprogramm (PEPP) um 600 Milliarden Euro auf. Anleihekäufe in Höhe von insgesamt 1,35 Billionen Euro sollen die Euroländer durch den wirtschaftlichen Schock der Pandemie bringen. Die weitreichenden Lockerungsübungen der großen Notenbanken aus Eurozone, USA und Japan werden in den Medien ausführlich behandelt und diskutiert. Aber was passiert eigentlich in den Schwellenländern? Wie reagieren dort die Notenbanken auf die Pandemie und ihre Folgen?

Tatsächlich haben auch viele Zentralbanken in aufstrebenden Ländern Anleihekäufe auf der Agenda, insbesondere in Asien. „Kürzlich hat die indonesische Zentralbank begonnen, heimische Lokalwährungsanleihen zu kaufen, und zwar nicht nur im Sekundärmarkt, sondern auch direkt von der Regierung bei Emission. Dies war eine große Veränderung in Asiens Anleihemärkten“, sagt Eric Wong, Portfoliomanager für asiatische Bonds bei Fidelity. Allerdings sei Indonesien nicht allein, beispielsweise Thailand und die Philippinen kaufen ebenfalls. Auch außerhalb Asiens konstatiert Wong Bond-Käufe durch Notenbanken, etwa in Chile, Kolumbien, Kroatien, Ungarn, Polen, Rumänien, Südafrika und der Türkei.

Notenbankkäufe sorgen für Risiken und für Schutz

Ganz risikolos sind solche Strategien zur Schulden-Monetarisierung nicht. „Sie können unkontrollierbare Inflation schüren oder Druck auf die heimische Währung ausüben. Allerdings ist das Kaufvolumen in den Schwellenländern gering im Vergleich zu den USA, Japan oder der Eurozone. Und darüber hinaus bieten die Notenbankkäufe einen wichtigen Schutz für Investoren in Zeiten, in denen Staaten ihre Defizite erhöhen“, sagt Wong. Denn wie in den Industriestaaten gehören auch in Asiens aufstrebenden Ländern fiskalische Impulse der Regierungen  zum Rettungsplan.

Das gesamte Stimulierungsprogramm des indonesischen Staats beläuft sich beispielsweise bislang auf 4,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Zum Programm zählen Kapitalspritzen für staatliche Unternehmen, Zinssubventionen und zusätzliche Steuererleichterungen für Arbeiter und Haushalte“, erläutert Wong. Thailand hat ein Maßnahmenpaket in Höhe von 9 Prozent des BIP angekündigt, das vor allem zinsgünstige Kredite für kleine und mittelgroße Firmen, Steuersenkungen und Erleichterungen bei Kreditrückzahlungen umfasst. Die philippinische Regierung konzentriert sich auf die Bedürfnisse der ärmeren Bevölkerung und verteilt Cash an private Haushalte. Auch Malaysia und Indien haben umfangreiche Hilfen angekündigt. Hier handelt es sich jedoch zum großen Teil um Kreditgarantien.

Favorit Indonesien überzeugt mit Disziplin und Stärke

Für Anleiheinvestoren sieht Wong eine Reihe unterstützender Faktoren für asiatische Investmentgrade-Bonds, zum Beispiel sich stabilisierende Märkte, gute Renditen und niedrige Energiepreise. Sein Favorit ist Indonesien. Vor allem im direkten Vergleich mit Indien schneidet es gut ab. Beide Länder standen am Anfang der Pandemie vor ähnlichen Herausforderungen: geringe Wachstumsaussichten und ein Ausverkauf an den Aktien- und Anleihemärkten im ersten Quartal. „Wir denken jedoch, dass Indonesien mit einer disziplinierteren Fiskalpolitik und einer stärkeren wirtschaftlichen Position die besseren Chancen eröffnet“, argumentiert Wong. Seine Gründe: „Indonesien kam mit einer niedrigen Verschuldung und einem gesunden Kredit-Ökosystem in die Krise. Es verfügt über reichlich Verschuldungskapazität. Zudem hat das Land in der Vergangenheit bewiesen, dass es ein fiskalisches Defizit wieder einfangen kann. Das schätzen Investoren und Rating-Agenturen.“ Da Kapitalabflüsse die Performance indonesischer Investmentgrade-Bonds vergleichsweise stark belastet hat, sieht Wong hier nun gutes Wertpotenzial.

Investoren zögern noch

Auch auf Indexebene besteht Aufholpotenzial; die Investoren sind noch zurückhaltend. Der Risikoaufschlag im asiatischen Investmentgrade-Bond-Index JACI IGB liegt bei 230 Basispunkten (27. Mai 2020) und damit 70 Basispunkte höher als vor dem Ausverkauf im März. Wong zufolge fürchten Investoren vor allem zwei Risiken. Erstens könnte eine regionale Eskalation der Pandemie das wirtschaftliche Wachstum und den Risikoappetit der Investoren dämpfen. „Eine zweite Welle bleibt ein Risiko, allerdings haben viele asiatische Länder gezeigt, dass sie effektive Eindämmungsmaßnahmen ergreifen können. In Taiwan, Hongkong und China bewegt sich die Wirtschaft bereits wieder bei 70 bis 80 Prozent des Normalniveaus. Das bewerten wir als viel versprechend“, sagt der Anleihe-Experte.

Auch das zweite Risiko, einen kurzfristig erstarkenden US-Dollar, sieht er relativ gelassen: „Mittelfristig sollte der Dollar aufgrund der Gelddruckaktivität der amerikanischen Notenbank eher abwerten. Und von einem schwächeren Dollar profitieren Schwellenländer und Unternehmen, die sich in der US-Währung verschuldet haben – und letztlich auch die Besitzer dieser Anleihen.“

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