Das Unternehmen Recticel präsentiert sich auf einer Brüsseler Messe Foto: imago images / Belga

Zwei Beispiele

Nachhaltigkeits-Champions auch bei den Kleinen

Umwelt-, Sozial- und Governance-Faktoren (ESG) werden für die Aktienperformance immer wichtiger. Unternehmen, die die Welt verbessern wollen, profitieren in der Regel von einer großen Nachfrage nach ihren Produkten und Dienstleistungen. Mit der zunehmenden Bedeutung von ESG-Faktoren ist auch der Bedarf an ESG-Daten und -Analysen gestiegen.

Auswirkungen der ESG-Rahmenwerke

In den vergangenen Jahren wurde die Bewertung von ESG-Faktoren immer stärker geregelt, zuletzt in Form der EU-Taxonomie und den Offenlegungsanforderungen für nachhaltige Finanzen durch Rating-Agenturen wie Sustainalytics und MSCI. Wir haben eine bedeutende Neubewertung dessen erlebt, was der Markt bereit ist, für Unternehmen zu zahlen, die eine starke ESG-Bilanz vorweisen können. Doch nur Unternehmen, die traditionell eine starke ESG-Bilanz vorweisen können, haben von diesem Trend profitiert, während die Anerkennung von ESG-Potenzialen bei europäischen Small Caps eher mau war.

Die Gründe sind vielfältig: Kleinere Unternehmen konzentrieren sich in der Regel mehr auf den Betrieb als auf Eigenwerbung. Die Budgets für Öffentlichkeitsarbeit sind eher begrenzt. Außerdem werden sie von Analysten und Anlegern weniger genau unter die Lupe genommen als ihre größeren Konkurrenten, wodurch sich ein breites Spektrum an unterschätzten und falsch bewerteten Aktien ergibt. Wir sind jedoch der Meinung, dass Small Caps ein reineres Exposure zu den Wachstumstrends bieten. Außerdem steckt in kleinen Unternehmen oftmals viel verborgenes ESG-Potenzial, das es zu entdecken gilt.

Zwei ESG-Champions

Befesa, das in Deutschland börsennotierte Sondermüll-Recyclingunternehmen, ist der Inbegriff der Kreislaufwirtschaft. Es recycelt giftige Nebenprodukte aus der Stahl- und Aluminiumindustrie, die sonst auf der Mülldeponie gelandet wären, zu wertvollen Produkten wie Zink- und Aluminiumlegierungen. Eine Zeit lang galt das Unternehmen eher als Bergbauunternehmen, da ein wichtiger Umsatztreiber der Zinkpreis ist. Aber davon ist das Unternehmen weit entfernt.

Befesa passt in das Bild eines Nachhaltigkeits-Champions. Das Unternehmen hat die Vorteile, die es durch sein Geschäftsmodell bietet, herausgearbeitet. Die positiven Auswirkungen der Umwandlung von Giftmüll in Wert sind hier klar erkennbar. Zwar nimmt der Markt das Unternehmen mittlerweile eher als Industrie- und nicht als Bergbauunternehmen wahr. Es wird allerdings nach wie vor nicht für seine ESG-Leistung anerkannt.

Ein weiteres Beispiel für einen sogenannten Hidden Champion ist Recticel SA., ein in Belgien ansässiges, börsennotiertes Unternehmen. Das Hauptgeschäft ist die Herstellung von Schaumstoffen und synthetischen Verbindungen für die Isolationsindustrie. Isolierung ist entscheidend für die Reduzierung der Kohlendioxidproduktion. So hat Recticel in seiner Investorenpräsentation für das Gesamtjahr 2020 erklärt, dass die Produkte des Konzerns die Kohlendioxidproduktion um den Faktor 46 für jede Tonne Kohlendioxid reduzieren. Das zweite Geschäftsfeld von Recticel sind technische Schaumstoffe. Diese Schaumstoffe werden eingesetzt, um die akustische Sicherheit, Komfort in Krankenhausbetten und Filtration von toxischen Substanzen zu erhöhen.

Das Unternehmen bietet eine Reihe von sozialen und ökologischen Vorteilen, während es gleichzeitig politische Ziele verfolgt, wie zum Beispiel die weitere Reduzierung von Arbeitsunfällen. Außerdem wollen soll der Frauenanteil in ihrem Führungsteam erhöht werden. Darüber hinaus ist Recticel mit 74 Prozent an dem Joint Venture Turvac beteiligt, das die hochisolierten Verpackungen für den Transport von Corona-Impfstoffen herstellt. Das wurde bisher von den Marktteilnehmern wenig beachtet.


Über die Autoren:
Rory Stokes und Ollie Beckett sind Portfoliomanager im europäischen Aktienteam der Fondsgesellschaft Janus Henderson Investors.

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