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Korallenriff im Roten Meer Foto: imago images / imagebroker
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Blaue Wirtschaft

„Der Schutz der Ozeane erfordert Engagement und Investitionen“

Julie Miller, BNP Paribas AM

Frau Miller, worum geht es beim Schutz der Ozeane?

Julie Miller: Die Ozeane sind von entscheidender Bedeutung. Zum einen spielen sie für die Biodiversität eine wichtige Rolle: Dort leben rund 200.000 bekannte Arten; insgesamt dürften es viele Millionen sein. Zum anderen bieten die Weltmeere den Menschen Nahrung und tragen zur Gesundheit und dem Erhalt von Lebensräumen sowie zum Küstenschutz bei. Als wichtiger Arbeitgeber ist die maritime Industrie außerdem eine tragende Säule unserer globalisierten Volkswirtschaften.

Ebenso spielen die Weltmeere eine Schlüsselrolle bei der Bekämpfung des Klimawandels: Sie nehmen etwa 30 Prozent des vom Menschen verursachten Kohlenstoffdioxids auf. Ozeane stellen damit eine kostbare, natürliche Ressource dar. Sie sind allerdings immer stärker bedroht. Nicht zuletzt tragen die Auswirkungen des Klimawandels, die CO2-Emissionen, die Zerstörungen der Korallenriffe, die Überfischung und die Verschmutzung dazu bei, dass sich ihr Zustand rasant verschlechtert.

Welche konkreten Maßnahmen müssen jetzt ergriffen werden beziehungsweise wurden bereits unternommen? Was tut die BNP Paribas Gruppe für die blaue Wirtschaft?

Miller: Banken spielen eine zentrale Rolle bei der Bekämpfung des Klimawandels und der Finanzierung der Energiewende. Sie können Projekte unterstützen, die direkt zum Erhalt der Artenvielfalt an Land und im Wasser beitragen. Auf diese Weise haben die Institute einen indirekten Einfluss auf das Klima.

In Anbetracht dessen hat sich BNP Paribas Asset Management vor einem Jahr speziell dem Ziel für nachhaltige Entwicklung (SDG) Nummer 14 verschrieben: Dem Leben unter Wasser. Denn dieses wird von Unternehmen bislang am wenigsten berücksichtigt. Lediglich 14 Prozent haben dieses Ziel auf ihrer Agenda. Die Verpflichtung besteht darin, Aktivitäten mit potenziellen Auswirkungen auf die Ozeane auf verantwortungsvolle Art und Weise zu finanzieren, insbesondere in den Bereichen Schifffahrt, Fischerei, Aquakultur und Offshore-Infrastruktur.

BNP Paribas Asset Management engagiert sich beispielsweise für Projekte, die sich mit den Themen nachhaltige Aquakultur und Alternativen zu Kunststoffverpackungen, die die Meere verschmutzen, auseinandersetzen. Dafür unterstützen wir Programme wie „We Are Innovation“ in Frankreich oder die „Sustainable Ocean Alliance“, eine gemeinnützige Organisation, die sich dem Schutz der Meere in den USA widmet.

Damit unter Wasser Grundlegendes wieder in Ordnung kommt, muss sich auf dem Wasser einiges ändern: Wie könnte sich die Entwicklung der blauen Wirtschaft auf das tägliche Leben auswirken?

Miller: Der Schutz der Ozeane erfordert das Engagement aller beteiligten Branchen und entsprechende Investitionen. In der Schifffahrt hat sich jüngst die International Maritime Organization für ein Klimaziel ausgesprochen: Die Kohlenstoffemissionen des Sektors sollen bis 2050 halbiert werden. Eine Möglichkeit wären LNG-Motoren, angetrieben von Flüssiggas. Außerdem werden bereits alternative Antriebsquellen getestet: Grüner Wasserstoff, Ammoniak und Batterien. Sogar eine Rückkehr zum Segel ist denkbar.

Die Entwicklung der blauen Wirtschaft betrifft alle wirtschaftlichen Akteure, die vom Meer profitieren – sowohl Start-ups als auch etablierte Unternehmen. Allerdings muss sich dieses Bewusstsein erst festigen und auf breiter Basis in konkreten Maßnahmen münden: In nachhaltige Aquakultur statt Überfischung, den Schutz und die Förderung von Küstenökosystemen und die Aufwertung von Naturschätzen sowie touristischen Attraktionen.

Letzte Frage: Was sind die wichtigsten Geschäftsbereiche von BNP Paribas Asset Management, die an der Entwicklung der blauen Wirtschaft beteiligt sind? Welche Arten von Initiativen unterstützen Sie?

Miller: BNP Paribas Asset Management schöpft wie die gesamte BNP Paribas Gruppe aus allen verfügbaren Quellen, um unsere gebündelte Kraft zu nutzen. Über die direkte Unterstützung des Sektors durch Bankdienstleistungen hinaus beteiligen wir uns an Initiativen, die auf die Förderung nachhaltiger Geschäftspraktiken abzielen. Ein Beispiel hierfür ist das Zertifizierungsprogramm „Green Marine Europe“, einer 2020 von der Surfrider Foundation mit Sitz im südwestfranzösischen Biarritz ins Leben gerufenen Initiative zur freiwilligen Umweltzertifizierung der Schifffahrtsbranche.

Ebenso arbeiten wir eng mit Kunden, Experten aus der Wissenschaft und weiteren Nichtregierungsorganisationen (NGOs) zusammen. Doch nicht nur das: Wir suchen immer wieder den Dialog mit anderen Finanzinstituten, um gemeinsame Berichtsrahmen zu entwickeln. Dazu gehören beispielsweise die vielbeachteten Poseidon-Prinzipien, die sich mit der Berechnung von CO2-Emissionen im Zusammenhang mit Portfolios zur Schiffsfinanzierung befassen.

Unsere Stiftung unterstützt im Rahmen ihrer Klima- und Biodiversitätsinitiative acht wissenschaftliche Forschungsprojekte zum Schutz der biologischen Vielfalt der Ozeane. Außerdem setzen wir uns dafür ein, dass die Verwendung von petrochemischen Kunststoffen und Einwegprodukten deutlich verringert wird.

Wichtige Informationen:

Alle hier geäußerten Ansichten sind die des Autors zum Zeitpunkt der Veröffentlichung, basieren auf den verfügbaren Informationen und können ohne vorherige Ankündigung geändert werden. Die einzelnen Portfoliomanagementteams können unterschiedliche Ansichten vertreten und für verschiedene Kunden unterschiedliche Anlageentscheidungen treffen. Der Wert von Anlagen und ihrer Erträge kann sowohl steigen als auch fallen und Anleger erhalten ihr Kapital möglicherweise nicht vollständig zurück.

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