Ein Werbeplakat für Desktop Metal hängt am Börsen-Gebäude der New Yorker Wall Street Foto: imago images / UPI Photo

Vermögensverwalter rät „Finger weg von SPACs“

Stephan Albrech, Foto: Albrech & Cie.

2020 haben die Special Purpose Acquisition Companies (SPACs) in den USA 73 Milliarden Dollar von Anlegern eingesammelt – so viel wie nie. Doch dieser Rekord wurde bereits im ersten Quartal dieses Jahres mit fast 300 SPACs und einem Volumen von 88 Milliarden gebrochen. In Europa steht der Trend noch am Anfang: Im vergangenen Jahr gingen acht SPACs an die Börse, darunter etliche in den USA. Bis Ende Februar dieses Jahres kamen vier weitere SPACs hinzu. Experten gehen davon aus, dass sich die Zahl der Europa-SPACs in den nächsten Monaten spürbar erhöhen dürfte. So wollen etwa die Briten die Regeln liberalisieren, um attraktiver für ein Listing zu werden.

Für den SPAC-Boom gibt es zwei gute Gründe. Erstens ist dieser Weg für Start-Ups oder andere Firmen, die sich an einer Börse listen lassen wollen, deutlich schneller und auch günstiger als die Kooperation mit einer Investment-Bank: Wer von einem SPAC gekauft wird, kommt ruckzuck aufs Parkett statt erst nach Jahren. Zweitens hoffen etliche Anleger darauf, mit einem solchen Investment das große Los zu ziehen und richtig reich zu werden – indem sie etwa ein Unternehmen wie Amazon in den 1990er-Jahren kaufen, dessen Wert sich über die Jahre mehr als verhundertfacht.

Eines dürfte nun klar sein: SPACs sind Börsendebüts (IPOs), bei denen die Anleger nicht einmal wissen, wer an die Börse geht! Schon IPOs sind mit Vorsicht zu genießen und nicht die beste Strategie, wenn man vernünftig Vermögen aufbauen oder bewahren will. Es liegt auf der Hand, dass dies bei SPACs, die früher von eher zweifelhaften Unternehmen genutzt wurden, erst recht zutrifft. Es gibt einen weiteren Grund, die Finger davon zu lassen: SPACs widersprechen dem Gebot der breiten Streuung als dem einzigen „free lunch“ bei der Geldanlage. Stattdessen setzen Anleger mit SPACs voll auf die Fähigkeit der Geldsammler, zukunftsträchtige Firmen mit hohem Gewinnpotenzial auszumachen. Diese Rechnung kann aufgehen – oder das Investment kann ihnen auf die Füße fallen.

SPAC-Indexfonds mit dickem Minus

Die Finanzindustrie in den USA ist schon auf den Trend aufgesprungen und hat in den vergangenen Monaten drei Indexfonds (ETFs) auf den Markt gebracht. Doch ein Garant für den Erfolg ist die Streuung auf mehrere SPACs keineswegs. So ist der älteste ETF mit Auflegung im Oktober 2020 inzwischen wieder dort angekommen, wo er startete: bei 24 Dollar. Wer zum schlechtesten Zeitpunkt eingestiegen und dabeigeblieben ist, verbucht aktuell ein Minus von gut 30 Prozent. Auch bei den beiden anderen ETFs weisen die Kurven steil nach unten. Investment-Erfolg sieht anders aus. Dessen ungeachtet kommen wohl auch in Europa bald ähnliche Angebote auf den Markt. Schließlich geht es der Finanzindustrie nicht in erster Linie darum, dass die Anleger Geld verdienen …

Wer junge Unternehmen kaufen und seinem Depot mehr Risiko beimischen will, ist zum Glück nicht auf IPOs beziehungsweise SPACs angewiesen. Eine Option wäre der Nasdaq Composite, ein Index mit mehr als 2.500 technologiegetriebenen Firmen. Jedoch gibt es in Deutschland unseres Wissens nur Indexfonds auf den Nasdaq 100, in dem sich die 100 größten Tech-Player versammeln. Zudem sind die kleineren Firmen im Vergleich zu den Big Boys im Nasdaq Composite nur sehr gering gewichtet.

Echte Alternativen sind daher zum einen Produkte, die auf Zukunftsmärkte fokussieren. So gibt es ETFs, die gleichgewichtet in jungen Sektoren wie Robotik, Digitale Medien, Zukunftsautos, Genomik oder Cloud Computing anlegen. Zum anderen können unabhängige Vermögensverwaltungen in den Portfolios ihrer Kunden aussichtsreiche junge Firmen beimischen. Wichtig ist in beiden Fällen: Diese Investments sollten nicht zu hoch ausfallen und das Gesamtportfolio sinnvoll ergänzen.


Über den Autor:
Stephan Albrech ist Vorstand der Albrech & Cie. Verm
ögensverwaltung aus Köln.

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