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WWK-Produktchef Winfried Gaßner „Fondspolice deutlich überlegenes Produkt“

Winfried Gaßner
Winfried Gaßner: Der Chef-Produktmanager bei der WWK spricht im Interview über Fondspolicen im Vergleich zur klassischen Lebensversicherung und zum Fonds-Sparplan. | Foto: WWK Versicherungsgruppe

DAS INVESTMENT: Die WWK feiert in diesem Jahr einen 50. Jahrestag: 1971 kam Ihr Unternehmen als einer der Pioniere hierzulande mit einer fondsgebundenen Versicherung auf den deutschen Markt. Welche Anlageergebnisse erzielten Kunden der WWK, die in den vergangenen Jahrzehnten per Fondspolice für ihr Alter vorgesorgt haben?

Winfried Gaßner: Die WWK hat aufgrund ihrer nun 50-jährigen Erfahrung im Bereich der Fondspolicen eine große Anzahl von bereits sehr lange laufenden, real existierenden Kundenverträgen im Bestand. Eine Analyse dieser Verträge zeigt anschaulich, dass Rendite-Verläufe von 7 bis 8 Prozent pro Jahr eher die Regel und keine Seltenheit sind, sogar nach Abzug aller Kosten. Damit waren Aktien-Investments per Fondspolice insbesondere im Niedrigzinsumfeld und bei langfristigem Anlagehorizont das deutlich überlegene Produkt im Vergleich zu einer klassischen Lebensversicherung. Denn in deren Deckungsstock nehmen die Versicherer aufgrund gesetzlicher Vorschriften vor allem schwankungsarme und sicherheitsorientierte Vermögenswerte wie beispielsweise festverzinsliche Wertpapiere auf.

Heute steht die fondsgebundene Lebens- oder Rentenversicherung aus Kundensicht hingegen eher in Konkurrenz mit den von vielen Verbraucherschützern empfohlenen Sparplänen auf Exchange Traded Funds, kurz ETFs. Was spricht aus Kundensicht heute noch für eine Fondspolice?

Gaßner: Unseren Kunden stehen bei Fondspolicen ohne Garantie bereits heute über 100 Fonds zur Verfügung. Grundsätzlich ist es unseren Kunden möglich, beliebig viele Investments aus dieser Palette zu besparen und zu kombinieren. Darüber hinaus können die Fonds während der Laufzeit des Vertrages gebührenfrei gewechselt werden, ohne dass Kursgewinne versteuert werden müssen. Dies stellt einen bedeutsamen Vorteil der Fondspolice gegenüber dem Investment in einem Fondsdepot ohne den Versicherungsmantel dar. Denn: Auf Kapitalerträge über dem Freibetrag von 801 Euro für Alleinstehende beziehungsweise 1.602 Euro für Verheiratete werden 25 Prozent Abgeltungssteuer fällig. Hinzu kommen gegebenenfalls noch Kirchensteuer und Solidaritätszuschlag. Außerdem haben Verbraucher bei einem reinen Spar- und Entnahmeplan immer das Risiko, dass ihnen im hohen Alter das angesparte Geld ausgeht. Bei einer Rentenversicherung können sie hingegen lebenslang auf eine verlässliche Rente vertrauen. Auch das in der Vergangenheit oft vorgebrachte Kostenargument gegen die Fondspolice will ich relativieren: Wir bieten inzwischen ebenfalls die Anlage in Indexfonds mit äußerst günstigen Verwaltungsgebühren an. Und für Anhänger des aktiven Managements gibt es nun auch stark kostenreduzierte Clean Share Classes, die ansonsten oftmals nur institutionellen Anlegern vorbehalten sind.

Aktuell streiten sich auch die Politiker wieder einmal um das Thema Altersvorsorge. Das Ende der Riester-Rente und der Umstieg in eine Aktienrente nach schwedischem Vorbild sind nur zwei der Vorschläge von Parteien, die in der künftigen Regierung vertreten seien dürften. Mit welchen Änderungen in der Rentenpolitik rechnen Sie in den nächsten vier Jahren?

Gaßner: In der nahen Zukunft wird es in Deutschland vor allem darum gehen, wie der Staat die private Altersvorsorge fördern soll. Denn ich kann mir nicht vorstellen, wie man die bis zum Jahr 2025 versprochene doppelte Haltelinie für Rentenniveau und Beitragssatz auf dem aktuellen Stand halten könnte, ohne die ohnehin bereits beachtlichen Bundeszuschüsse für die Rentenkasse noch weiter zu erhöhen. Die klassischen Vorsorgeprodukte mit voller Beitragsgarantie sind bei dem ab 2022 geltenden Höchstrechnungszins von 0,25 Prozent zwar kaum noch darstellbar. Der Bedarf an finanzieller Vorsorge für den Ruhestand bleibt jedoch ungebrochen. Der Grund dafür ist schlicht der demografische Wandel: Während heute statistisch gesehen noch 2,1 Arbeitnehmer einen Rentner tragen, entwickelt sich dieses Verhältnis in Richtung 1:1. Als Lösung schlugen die meisten Parteien in ihren Programmen zur Bundestagswahl vor, die private Altersvorsorge mit Hilfe des Kapitalmarktes zu stärken. Es bleibt nun abzuwarten, auf welchem Weg diese Pläne in die Praxis umgesetzt werden sollen.

Bleiben wir also in der Versicherungsbranche: Welche Produkt-Trends erwarten Sie bei deutschen Fondspolicen?

Gaßner: Wir verspüren derzeit eine hohe Nachfrage nach ESG-konformen Investments, bei denen die Manager also auch die Nachhaltigkeitsaspekte Environment, Social und Governance berücksichtigen. Die Bedeutung des Nachhaltigkeitsprinzips steigt stark an. Immer mehr Anleger sind auf der Suche nach so genannten Ökofonds, grünen Aktien und ethischen Investments. Darüber hinaus lautet das klare Ziel der Politik auf europäischer Ebene, höhere Kapitalströme in Richtung nachhaltiger Anlagen zu lenken. Bei uns ist heute bereits ein gutes Drittel aller wählbaren Fonds nachhaltig gemäß Artikel 8 oder 9 der EU-Offenlegungsverordnung. Die Tendenz ist auf jeden Fall steigend. Beim Fondsangebot sind zukünftig auch Mischfonds denkbar, die verschiedenste Zukunftsthemen abdecken. Beispielhaft könnten Werte beigemischt werden wie künstliche Intelligenz oder Kryptowährungen. Sparer können im Rahmen der Fondspolice in solche neuen Anlageideen investieren und damit ihre Beiträge flexibel an die sich ändernden Kapitalmärkte anpassen.

Inwiefern schlägt sich das in Ihrem Produktangebot wider?

Gaßner: Wir bieten bei unseren Fondsrenten ohne Garantie derzeit 28 nachhaltige Fonds und einen ESG-Basket. Das ist bereits ein umfangreiches Angebot. Zum Jahresbeginn 2022 bringen wir eine neue, für Kunden weiter verbesserte Fondsrente-Generation auf den Markt. Hier werden wir das Angebot an nachhaltigen Investments sicherlich weiter ausbauen. Zudem beinhaltet das neue Produkt viele weitere wertvolle Features, wie beispielsweise die Möglichkeit, auch in der Rentenphase in Fonds investiert zu bleiben. Lassen Sie sich überraschen.


Über den Intervieten:

Winfried Gaßner leitet seit sechs Jahren das Produktmanagement bei der WWK Versicherungsgruppe. Er verantwortet damit die gesamten Produktentwicklungsaktivitäten in den Geschäftsfeldern Lebensversicherung, Komposit und Investment. Zu seinen Aufgaben gehören insbesondere die Weiterentwicklung und Optimierung des Produktportfolios im Hinblick auf Rating-Erfolg und Absatzentwicklung.
Gaßner promovierte im Fach Betriebswirtschaftslehre an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Nach dem Start ins Berufsleben bei der Bayerischen Landesbank stieg er als Assistent des Vorstands der Allianz Versicherungs-AG in die Assekuranz ein. 
Im Jahr 2006 wechselte er zur Münchener Verein Versicherungsgruppe, wo er das Produktmanagement des Allspartenversicherers neu aufbaute. 

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