Themen-Experte
Eine dynamische Strategie für die Asset-Allokation

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Containerschiffe stauen sich vor Los Angeles Foto: IMAGO / ZUMA Wire
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Preisteuerung 2021

Inflationserwartungen sind kaum gerechtfertigt

In unserem jüngsten „Cyclical Outlook“ kamen wir zu dem Schluss, dass Anleger in einem wahrscheinlich volatilen kurzfristigen Anlageumfeld auf Preisspitzen vorbereitet sein sollten. Am ausgeprägtesten dürfte diese Entwicklung in den USA sein, wo höhere Rohstoffpreise, Handelsengpässe und die Prognosen der schnellsten Wachstumsrate seit 40 Jahren zu Sorgen vor einer Überhitzung beitragen. Diese Befürchtungen dürften in den nächsten Monaten noch zunehmen, sobald die Konjunktur anzieht und sich die Gesundheitslage verbessert. Vor diesem Hintergrund dürfte sich die Gesamtinflation bis Mai auf 3,5 Prozent im Jahresvergleich beschleunigen – die höchste Rate seit 10 Jahren.

In den kommenden Monaten erwarten wir eine mehrmonatige Anpassung des Preisniveaus, die sich wie ein Inflationsanstieg anfühlen wird. In der zweiten Jahreshälfte, sobald sich die US-Wirtschaft weiter normalisiert, dürfte sich das Wachstum der Wirtschaftstätigkeit und der Preise jedoch verlangsamen, was die jährliche Inflationsrate senkt. Wir gehen davon aus, dass die Kerninflation des Verbraucherpreisindex (CPI) am Jahresende leicht unter 2 Prozent liegen wird. Obwohl sich der Kern-CPI bis 2022 auf 2,2 Prozent erhöhen dürfte, entbehren diese Zahlen des Eindrucks einer überschießenden Inflation. Die verhaltene Preisentwicklung könnte Marktteilnehmern, die eine straffere Fed-Politik erwarten, den Wind aus den Segeln nehmen.

Im Folgenden einige Antworten zu den häufigsten Fragen, die wir zu den Inflationsaussichten in den USA erhalten.

F: Wie wirken sich Störungen in der Lieferkette auf die Inflation in den USA aus?

A: Die aktuellen Engpässe in der globalen Schifffahrt begannen Ende vergangenen Jahres, nachdem die Einzelhändler Anfang 2020 in Erwartung eines Umsatzeinbruchs ihre Bestellungen reduzierten – nur um dann von einer schnellen Erholung der Verbrauchernachfrage überrascht zu werden. Konsumenten investierten verstärkt in langlebige Güter, als Ersatz für die von der Pandemie betroffenen Dienstleistungen, die sie nun nicht mehr in Anspruch nehmen konnten. Diese Nachfrage wiederum überraschte die Schifffahrtsindustrie und trug zu Containerknappheit, höheren Frachtraten und langen Lieferzeiten bei. Besonders akut war die Situation im Fall der Schiffsrouten von China zur Westküste der USA.

Da sich die Frachtraten für Containerschiffe jedoch bereits auf einem Mehrjahreshoch befinden und die Einzelhändler die erhöhten Kosten bereits an die Verbraucher weitergeben, fragen wir uns, wie viel mehr Inflation wir erwarten sollten. In der Tat hat sich die Inflation im Einzelhandel bereits wieder beschleunigt, nachdem sie im Mai 2020 um 1,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr gesunken war. Unsere Prognosen gehen davon aus, dass die Inflationsrate in den nächsten Monaten auf 2 Prozent im Vorjahresvergleich ansteigen wird – der schnellste Anstieg seit über 10 Jahren. Wir rechnen jedoch nicht mit einer anhaltenden Inflation. So wie die Verbraucher im Jahr 2020 verschiedene Dienstleistungen durch langlebige Güter ersetzt haben, vermuten wir, dass sich die Nachfrage nach langlebigen Gütern im Jahr 2021 etwas abkühlt, da große Teile der Bevölkerung geimpft sein werden und wieder beginnen, verstärkt Dienstleistungen in Anspruch zu nehmen. Die Abkühlung der Nachfrage könnte die Fähigkeit der Einzelhändler schmälern, ihre höheren Kosten weiterzugeben und so den einsetzenden Inflationsdruck in anderen Dienstleistungskategorien, wie etwa bei Flugreisen und Unterkünften, ausgleichen.

F: Wie geht es beim Thema Halbleiterknappheit weiter?

A: Ähnlich wie die Probleme, die die Lieferketten im Einzelhandel plagen, stört die weltweite Halbleiterknappheit die US-Autoproduktion zu einer Zeit, in der die Zahl der vorproduzierten Autos bereits niedrig ist. Halbleiter machen nur schätzungsweise 3 Prozent der Gesamtkosten für den Bau eines Autos aus. Die durch den Chipmangel bedingten Fertigungsunterbrechungen führen jedoch zu Verzögerungen bei der Auslieferung neuer Fahrzeuge, was wiederum deren Preise treibt.

Im Jahr 2020 sind die Autoverkäufe dank der Nachfrage nach Alternativen zu öffentlichen Verkehrsmitteln, gesunkener Preise und staatlicher Fördermaßnahmen stark angestiegen. Gleichzeitig legte der Pandemieausbruch die Fahrzeugmontagewerke still. Infolgedessen sank das Verhältnis von Lagerbestand zu Umsatz bei den Autohändlern auf ein 20-Jahres-Tief. Neu- und Gebrauchtfahrzeuge machen etwa 6,7 Prozent des Verbraucherpreisindex (VPI)-Warenkorbs aus, sodass sich diese Dynamik auf die Gesamtpreise ausgewirkt hat. Ähnlich wie bei unseren Erwartungen für die Einzelhandelsinflation dürften die inflationären Auswirkungen dieser Angebotsverknappungen allerdings nur vorübergehend sein. In den nächsten Monaten erwarten wir aber, dass die niedrigen Lagerbestände die Preise weiter ansteigen lassen werden. In der zweiten Jahreshälfte, wenn sich die Engpässe auflösen und die Verbraucher einen Teil ihrer Käufe von langlebigen Gütern befriedigt haben, sollte sich auch die Preisteuerung im Automobilsektor normalisieren.

F: Die Immobilienpreise steigen so schnell wie seit 15 Jahren nicht mehr. Was bedeutet das für die Entwicklung der Mieten?

A: Die Preise für Eigenheime in den USA sind im vergangenen Jahr um 11 Prozent gestiegen, da die Nachfrage nach Wohnraum außerhalb der großen Städte und Ballungszentren und die höhere Erschwinglichkeit von Wohnraum aufgrund niedriger Zinsen auf ein geringes Angebot stießen. Bevor man jetzt jedoch „Inflation!“ ruft, sollte bedacht werden, dass die Preise für Wohnimmobilien seit den 1980er-Jahren nicht mehr in den Inflationsindizes der USA enthalten sind. Die Statistikämter der USA betrachten den Kauf eines Hauses als Investition und ziehen stattdessen die Mietpreise heran, um Veränderungen zu messen – und das sogar im Fall von Häusern, die von den Eigentümern selbst bewohnt werden.

Infolgedessen reagieren die Mieten und die Eigentümer-Äquivalentmiete (OER) empfindlich auf Trends am Arbeitsmarkt und darauf, wie teuer der Hauserwerb im Vergleich zur Miete ist. Die Entwicklung der Preise für das Wohnen ist während des Pandemiezeitraums damit relativ starr geblieben: Obwohl die Hauspreisinflation stark angestiegen ist, ist die Mietpreisinflation gesunken. In Zahlen: Die vom Bureau of Labor Statistics gemessene Mietpreisinflation vor der Pandemie von 3,3 Prozent im Vorjahresvergleich ist im März 2021 auf 2,0 Prozent im Vorjahresvergleich gesunken. Mit Blick auf die Zukunft sollten die verzögerten Effekte einer lebhaften Arbeitsmarkterholung und steigender Zinsen zwar zu einer Bodenbildung bei der Mietpreisinflation im zweiten Quartal beitragen, es ist jedoch nicht zu erwarten, dass das Thema Wohnen den Verbraucherpreisindex sprengt.

F: Beinhaltet die Inflationsprognose von Pimco eine Normalisierung der Flug- und Übernachtungspreise? Bald wird ja ein größerer Teil der Bevölkerung wieder zu reisen beginnen.

A: Nachdem wir im vergangenen Jahr einen starken Rückgang der Preise sahen, als die Reisetätigkeit zum Stillstand kam, erwarten wir jetzt eine starke Erholung, wenn die Reisetätigkeit wieder losgeht. Hochfrequenzdaten signalisieren, dass der Mobilitäts- und Flugverkehr in den USA seit März 2021 deutlich zunimmt. Es ist daher anzunehmen, dass sich das Preisniveau für diese Sektoren Ende 2022 vollständig auf das Niveau vor der Pandemie erholt haben wird.

Wir erwarten zwar eine starke Preiserholung; diese Sektoren tragen jedoch nur zu einem relativ geringen Teil zum gesamten VPI-Warenkorb bei. Zum Vergleich: Hotelübernachtungen und Flugtickets machen jeweils weniger als 1 Prozent des Verbraucherpreisindex aus. Daher stützt eine starke Erholung in diesen Sektoren zwar unsere kurzfristige Prognose für höhere Verbraucherpreise. Die zu erwartende Erholung dürfte aber nicht signifikant genug sein, um die Gesamtinflationsentwicklung in den USA zu beeinflussen.

F: Werden die aufgestaute Verbrauchernachfrage und überschüssige Ersparnisse zu einer höheren Inflation beitragen?

A: Der zu erwartende Nachfrageschub sollte dazu führen, dass sich die Preise in diesem Jahr normalisieren, aber die Kauflust sollte keinen Inflationsanstieg auslösen. Wir erwarten, dass die Verbraucher im Jahr 2021 nur geringe Beträge ihrer staatlichen Konjunkturschecks sparen. Wir gehen allerdings nicht davon aus, dass sie einen großen Teil der 2020 angesammelten überschüssigen Ersparnisse ausgeben werden. Mit anderen Worten: Die Sparquote wird sich wahrscheinlich normalisieren, aber kaum unter das Niveau vor der Pandemie fallen. Dafür gibt es zwei wesentliche Gründe: Erstens neigt die Sparquote nach Rezessionen historisch gesehen dazu, relativ zu ihrem Niveau vor der Rezession etwas erhöht zu bleiben, da die Verbraucher Ersparnisse aufbauen und sicherstellen, dass sie ihren Konsum im Falle eines erneuten Abschwungs aufrechterhalten können. Zweitens konzentriert sich ein Großteil dieser überschüssigen Ersparnisse auf die Bilanzen wohlhabender Haushalte – die mit hoher Wahrscheinlichkeit weiter sparen, um Geld für größere Investments zur Verfügung zu haben.

Fazit

In den nächsten Monaten erwarten wir einen Anstieg des Preisniveaus in den USA auf die vor der Pandemie gesehenen Werte. Aufgrund der raschen Normalisierung der Preise innerhalb weniger Monate könnte sich der regelmäßige Austausch der Preisschilder wie ein Inflationsschub anfühlen. Dem jüngsten VPI-Index zufolge stieg im März die Kerninflation um 0,3 Prozent gegenüber dem Vormonat. Ähnliche Werte sind für April und Mai zu erwarten. In der zweiten Jahreshälfte 2021, sobald sich die Wirtschaft weiter normalisiert, erwarten wir jedoch, dass sich sowohl das Wirtschaftswachstum als auch der Preisanstieg verlangsamen – wodurch das Tempo der Gesamtinflation im Jahresvergleich gedämpft bleibt.

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