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Aktualisiert am 01.12.2021 - 05:03 UhrLesedauer: 4 Minuten
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Finanzierung einer nachhaltigen Zukunft „Unternehmen werden alles dafür tun, um ihre Impact-Leistung zu verbessern“

E-Auto, Windkraft und der Mensch
E-Auto, Windkraft und der Mensch: Ein Wandel der Wertvorstellungen und enorme technologische Sprünge versetzen die Menschheit in die Lage, global sehr viel bewirken zu können. | Foto: Imago Images / MiS
Sir Ronald Cohen ist einer
der Mitbegründer von Apax Partners
und Autor des Buchs „Impact:
Reshaping Capitalism to Drive Real Change“.

Regierungen allein können den Klimawandel, die soziale Polarisierung und die zunehmende Ungleichheit nicht bewältigen. Der private Sektor ist ein wichtiger Teil der Lösung. Investoren sind mit Kapital eingestiegen – 2018 waren es 31 Billionen US-Dollar, die in nachhaltige Anlagen investiert wurden. Leider ist der Großteil lediglich in die Begrenzung der ökologischen, sozialen und Governance-Risiken geflossen – und weniger als 5 Prozent in Initiativen, mit denen ein positiver Wandel bewirkt wird. Im Folgenden Auszüge aus einem Videointerview, in dem Sir Ronald Cohen beschreibt, wie die Finanzbranche die Welt zu einem besseren Ort machen kann.

Ich bin ein Kind der 1960er-Jahre: Als ich mich mit Venture-Kapital beschäftigte, hatte ich das Gefühl, etwas zu tun, das für die Gesellschaft sinnvoll ist. Ich hatte gehofft, dass Arbeitsplätze entstehen würden, zu einer Zeit, als es in Großbritannien Millionen Arbeitslose gab. Aber ich erkannte mit den Jahren, dass ich zwar Menschen unterstützte, denen es nicht so gut ging, und Menschen mit ihren Firmen und ihren Gemeinschaften zu Wohlstand verhalf, die Kluft zwischen reich und arm aber immer größer wurde. Damit hatte ich nicht gerechnet. Als ich dann im Jahr 2000, immer noch als Geschäftsführer von Apax, einen Anruf vom britischen Finanzministerium bekam und man mich bat, das Thema Armut aus dem Blickwinkel eines Unternehmers zu beleuchten, sagte ich sofort ja. So kam ich zum ersten Mal mit Impact Investing in Berührung und dieser Weg hat uns zu den Impact Economies geführt, worüber ich in meinem Buch Impact: Reshaping Capitalism to Drive Real Change geschrieben habe.

Wir können alle sehen, dass der Kapitalismus, der Milliarden Menschen aus der Armut geholt und den allgemeinen Wohlstand erhöht hat, heute negative Folgen hat, die selbst die Regierungen nicht bewältigen können. Wir sehen die Folgen für das Klima, die massiv sind, und wir sehen die sozialen Folgen von Unterbezahlung, fehlender Diversität, Geschlechterungleichheit. Es muss sich also etwas in unserem System verändern, damit Unternehmen und Investoren Gewinne machen, aber gleichzeitig positiv Einfluss auf den Menschen und den Planeten genommen wird. Meine These ist, dass die Welt dabei ist, bei der Risiko- und Renditebetrachtung nach und nach auch die Impact-Dimension mit zu berücksichtigen. Das heißt, dass die Auswirkungen von Unternehmen in ähnlicher Weise gemessen werden wie ihr Gewinn gemessen wird.

Als Investor bin ich davon überzeugt, dass sich durch die Optimierung des Risiko-Rendite-Impacts bessere finanzielle Renditen erzielen lassen als durch die Optimierung des Risiko-Rendite-Profils. Dafür gibt es zwei Gründe. Aus Risikoperspektive zum einen die Vermeidung des Regulierungs- und Besteuerungsrisikos, das besteht, wenn man die Umwelt verschmutzt oder soziale Probleme verursacht. Aus Renditesicht ist es zum anderen wichtig, die geschäftlichen Chancen oder Investmentmöglichkeiten durch eine Impact-Linse und auch durch eine Gewinn- und Risiko-Linse zu betrachten. Dann entdeckt man neue Chancen, die viel größer sind als diejenigen, die man bei einem reinen Blick aufs Risiko-Rendite-Profil erkennt. Der Elektroautobauer Tesla ist ein gutes Beispiel für diese Denkweise: Elon Musk stieg mit dem Ziel in die Automobilbranche ein, nicht nur Autos zu bauen, sondern Autos zu bauen, die die Umwelt nicht derart verschmutzen wie es ein Verbrennungsmotor tut. An den Finanzmärkten gibt es bereits fünf oder sechs verschiedene Sektoren, in denen im Wettbewerbsvergleich ein Zusammenhang zwischen höherer Umweltverschmutzung und niedrigeren Aktienkursbewertungen besteht.

Ich sehe derzeit drei große zusammenwirkende Kräfte, die dem Thema Impact Investing einen Schub geben und uns den Weg in die Impact Economies weisen. Die erste ist ein Wandel der Wertvorstellungen. Die zweite sind enorme technologische Sprünge, die es uns heute ermöglichen, global etwas in einer Art und Weise zu bewirken, wie es für die Menschheit früher undenkbar war. Und die dritte ist die Fähigkeit dieser Technologie, uns in die Lage zu versetzen, mithilfe von Big Data die Auswirkungen einzelner Unternehmen zu messen. Diese drei Kräfte eröffnen unendlich viele Chancen.

So werden diejenigen, die den Wandel erkennen und daran mitwirken, die Früchte ernten. Alle anderen bleiben zurück. So wie es mit Technologie passiert ist. Und diejenigen, die der Realität ins Auge sehen, legen ihren Aktionären auf den Hauptversammlungen Transformationspläne vor und bekommen grünes Licht, während alle anderen zunehmend unter Aktionärsbeschuss geraten. Wir befinden uns an einem Scheideweg, ähnlich wie 1929 nach dem Börsenkrach, und mit der tiefgreifenden Zäsur infolge der Pandemie dürften mutige Schritte einhergehen. Ich hoffe, dass diese weit ausgreifen. Wir brauchen in den kommenden zehn Jahren 30 bis 40 Billionen US-Dollar, um die Ziele für eine nachhaltige Entwicklung zu erreichen.

Ich bin Optimist. Vier Jahrzehnte hat die Umweltbewegung versucht, Lösungen auf Regierungsebene zu finden. Und schließlich sind wir zu einer erleuchtenden Erkenntnis gelangt: Die Lösungen müssen auf Unternehmensebene gefunden werden. Umweltverschmutzung wird nicht von Regierungen verursacht, sie wird von Unternehmen und deren Kunden verursacht. Sobald man genaue Zahlen zum nachhaltigen Wirtschaften der Unternehmen kennt, gibt man den Startschuss für einen Wettlauf um die Spitzenpositionen. Unternehmen werden alles dafür tun, um ihre Impact-Leistung zu verbessern, weil sich dadurch der Wert des Unternehmens verbessert. 

Das Interview können Sie sich in der Pictet Meets-Videoreihe ansehen. Zum Anhören geht es hier zum Found In Conversation-Podcast.

Hinweis: Diese News ist eine Mitteilung des Unternehmens und wurde redaktionell nur leicht bearbeitet.
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