Baukräne in Berlin Foto: IMAGO Images / Future Image

Investmentchef der Bethmann Bank

Warum Anleger auf alternative Anlageklassen setzen sollten

Reinhard Pfingsten 
Bild: Bethmann Bank

Wenn Anleger Vermögen strukturieren, ist eines unerlässlich: Sie benötigen für die verschiedenen Anlageklassen langfristige Rendite- und Risikoerwartungen, die mindestens zehn Jahre in die Zukunft reichen sollten. Für ebendiesen Zeitraum sollte eine Schätzung des Gleichlaufs dieser Anlageklassen zueinander existieren, also eine sogenannte Korrelationsschätzung.

Nun stehen wir aber vor einer neuen Herausforderung. Die Erwartungen an Anleihen haben sich durch die massiven Eingriffe der Notenbanken auf den Anleihenmärkten nochmals reduziert. Und daran wird sich vorerst wohl kaum etwas ändern, weil Fed, EZB und Co. mehr oder weniger klar angekündigt haben, an ihrer expansiven Geldpolitik festhalten zu wollen; selbst, wenn die Inflation weiter anziehen sollte.

Wir gehen inzwischen für europäische Anleihemärkte im Bereich Investment Grade in den kommenden Jahren von einer Wertentwicklung von -0,2 Prozent per annum aus. Anleger, die bereit sind, auch globale Rentenmärkte beizumischen, kommen immerhin noch auf einen Ertrag von 0,2 Prozent. Aber auch sie landen nach Abzug der Inflation im negativen Terrain.

Globale Aktien bleiben in dem Kontext attraktiv. Hier haben sich die Renditeerwartungen jedoch ebenfalls auf 5,4 Prozentpunkte reduziert. Die Gründe sind nachlassende Produktivitätsfortschritte und Globalisierungseffekte. Außerdem dürfte in China die Wachstumsdynamik mittel- bis langfristig nachlassen, auch wenn der BIP-Zuwachs im ersten Quartal 2021 mit einem Plus von 18,3 Prozent regelrecht explodiert ist. Trotzdem können Anleger mit Aktien immer noch eine attraktive Risikoprämie vereinnahmen. Was also tun?

Neue Renditequellen erschließen

Zum einen gilt natürlich weiterhin, die globale Diversifikation zu nutzen. Außerdem ist interessant, dass Rohstoffe und auch Gold nicht wirklich helfen, das Rendite-Risiko-Profil eines Portfolios zu optimieren.

Dafür bietet sich eine Diversifikation in alternative Anlageklassen im illiquiden Bereich an – insbesondere Anlageklassen wie Immobilien, Private Equity und Private Debt. Grundsätzlich ist zunächst zu klären, wie hoch der Anteil dieser illiquiden Anlagen im Vermögen sein soll.

Wir empfehlen aus der Optimierung einer sogenannten Effizienzlinie – also dem Rand aller Portfolien, die eine optimale Rendite-Risiko-Kombination erreichen – bei eher konservativen Anlegern eine Beimischung von bis zu 20 Prozent, bei tendenziell risikofreudigeren Anlegern bis zu 30 Prozent.

Mehr zum Thema
Corona am BüromarktSo kommen offene Immobilienfonds durch die Krise Vermögensverwalter rätSo können Kleinanleger in Private Equity investieren Markt erkundetNeue Plattform will Crowd-Investing bekannter machen